In den vergangenen Tagen haben sich international gleich mehrere „Active Shooter“-Szenarien ereignet:
Letzten Dienstag betrat ein Achtklässler mit zwei scharfen Waffen seine Schule in Memmingen und gab am Eingang des Gebäudes einen Schuss ab. Während sich Schüler und Lehrer verbarrikadierten, verließ der Junge die Schule und wurde am Abend von Polizeibeamten auf einem Sportplatz entdeckt, wo er weitere Schüsse abgab und schließlich festgenommen wurde.
Am Freitag holte ein 37-jähriger Mann im österreichischen St. Pölten unter einem Vorwand seinen achtjährigen Sohn aus der Klasse und schoss ihm in der Garderobe der Schule in den Kopf. Später tötete der Vater sich selbst. Seine familiären Probleme waren bekannt und offenbar war er wegen Gewalt in der Familie wenige Tage zuvor aus der Wohnung verwiesen worden.
In der Nacht zum Samstag dann schoss ein 18-Jähriger in Hyvinkaa (bei Helsinki) in Kampfuniform gekleidet mit Gewehren vom Dach eines Geschäftshauses auf Passanten. Dabei tötete er zwei Jugendliche und verletzte sieben weitere Menschen. Die Polizei war glücklicherweise bereits eine Minute nach dem ersten Alarm vor Ort. Gemäß eines örtlichen Radiosenders hatten die finnischen Beamten nach dem Massaker von Anders Breivik das schnelle Eingreifen in solchen Notsituationen trainiert.
Diese Ereignisse verdeutlichen erneut, dass der Schutz unserer Schulen nicht ausschließlich auf Täter von Innen fokussieren sollte. Neben „School Shootern“ (zielgerichtet schwere Gewalt anwendende Schüler der eigenen Schule, die umgangssprachlich in Deutschland oft als „Amokläufer an Schulen“ bezeichnet werden) sind international viele weitere Gewaltszenarien aufgetreten. So kann es sich um einen verzweifelten Schüler außerhalb eines klassischen Amok-Kontextes handeln (wie in Memmingen), um Eltern, die Konflikte in die Schule tragen (wie in St. Pölten) oder umgekehrt auch um Jugendliche, die außerhalb der Schule töten (wie in Hyvinkaa). International bekannt sind zudem zahlreiche weitere tödlich endende Ereignisse, z.B. im Kontext von frustrierten Lehrkräften, psychisch kranken Erwachsenen oder Terrorismus.
Gemeinsam sind diesen Ereignissen ihr plötzliches und intensives Auftreten, sowie die konstante Veränderung der Lage. Wurde es im Vorfeld versäumt, solche Vorfälle durch eine gute Prävention und Früherkennung rechtzeitig abzuwenden, dann helfen in derartigen Extremsituationen nur noch ein zuvor erfolgter baulicher Schutz, ein eingeübtes, effektives System aus Alarmierungen und Schutzmaßnahmen, sowie eine eingespielte Kooperation mit Hilfskräften.