Die derzeit vorherrschende unkritische Komplettdarstellung über die Verhandlung des norwegischen Attentäters Breivik stellt vor allem eins dar: das bereitwillige Erfüllen der kühnsten Träume von Anders Breivik. Er wird durch die internationale Verbreitung seiner Selbstdarstellung für die Ermordung von 77 Menschen belohnt und erhält eine unvorstellbar intensive Bestätigung seiner narzisstischen Wünsche.
Während das alleine schon problematisch genug ist, ist damit auch eine ganz erhebliche Nachahmungsgefahr verbunden. Obwohl Norwegen in den letzten Monaten verantwortungsvoll mit der medialen Darstellung umgegangen ist und eine weitestgehend sensible Berichterstattung umsetzen konnte, bekommt Breivik derzeit eine überlebensgroße Plattform und wird zur Identifikationsfigur für spätere Täter stilisiert.
Die Nachahmungswirkung der Berichterstattung über Täter von aufsehenerregenden Gewalttaten ist gut bekannt und Richtlinien zu einer verantwortungsvollen Berichterstattung wurden von unserem Institut seit Jahren in Büchern und Beiträgen publiziert und bei Vorträgen publik gemacht. Derzeit werden all diese Hinweise ignoriert und damit Gewaltphantasien bei einigen Menschen mit spezifischen biopsychosozialen Problemlagen intensiviert. So steigt die Wahrscheinlichkeit einer neuen Form des Terrorismus weiter an. Nach den Terrorzellen der Vergangenheit werden wir in Zukunft ein Erstarken der „Lone Wolf“-Täter zu beklagen haben.
Die Gewaltphantasien dieser Menschen werden genau jetzt angeregt, eine ähnlich phänomenale Wirkung erreichen zu wollen. Und dazu tragen wir in erheblichem Maße bei, indem wir zulassen, dass gerade eine Blaupause für den Terrorismus der Zukunft in die Phantasien vulnerabler Menschen gelegt wird. Das wollte Breivik erreichen. Und das hat er geschafft.