Auf die Kommunikation in Sozialen Netzwerken entfällt mittlerweile ein Großteil der im Internet verbrachten Zeit. Dabei scheinen bestimmte Themen bevorzugt bei Facebook, Twitter und Co gepostet zu werden, wohingegen andere kaum auftauchen. Die Abkürzung "TL;DR" steht für "too long; didn't read" und wird des Häufigeren als Kommentar zu längeren Internet-Postings eingefügt, um sich scherzhaft über deren Länge zu beklagen. Tatsächlich versteckt sich hinter dieser Randnotiz aber ein grundsätzliches Problem sozialer Netzwerke: Die gebräuchliche oder zum Teil auch vorgegebene Beschränkung auf eine maximale Länge der Nachrichten (z.B. 140 Zeichen für Tweets) macht es nahezu unmöglich, komplizierte Sachverhalte oder langwierige Themen zu posten. Auf eine weitere Eigenheit der Kommunikation via Social Media weist Eli Pariser hin: Die Tendenz zu einer "netten Welt". Pariser führt an, dass unangenehme Themen, die den Leser verunsichern oder deprimieren könnten, nur schwer einen Platz auf Facebook, Google+ und Twitter finden. Dies verdeutlicht Pariser an einem einfachen Beispiel: Die Vorgabe des "I like" bzw. "Gefällt mir"-Buttons auf Facebook gibt alternativlos ein positiv-wertschätzendes Feedback auf ein Posting vor. Dies kann durchaus einen Einfluss auf die Entscheidung haben, ob jemand ein bestimmtes Thema postet oder nicht: Wenn die Reaktion der Freunde neben einem (aufwendigeren und daher unwahrscheinlicheren) Kommentar lediglich ein "Gefällt mir" sein kann, dann wollen Postings über z.B. obdachlose Jugendliche oder der Missbrauch von Menschen mit Behinderungen nicht so recht zur Kommunikationsform passen. Doch nicht nur kurze und nette Postings werden in sozialen Netzwerken bevorzugt.
Auch spektakuläre, negative oder dramatische Ereignisse, die ein empörtes Feedback der Community versprechen (z.B. in Form des Kommentars "omg", kurz für "oh my god"), finden ihren Weg in die Tweets und Statusmeldungen. Warum dies so ist, kann anhand der Nachrichtenwerttheorie der Friedensforscher Galtung und Ruge erklärt werden: So sind es vor allem negative, überraschende und kontroverse Ereignisse, die bei der Auswahl von Themen durch Nachrichtenredakteure berücksichtigt werden. Solcherlei Themen versprechen, den Zuschauer bzw. Leser zu emotionalisieren, was wiederum hohe Zuschauerquoten, Verkaufszahlen oder Klickraten verspricht. Gleiches gilt für das erhoffte Feedback der Community bei der Auswahl von Postings. Somit ist es wichtig, sich vor Augen zu führen, dass die Kommunikation via Social Media die Ausrichtung auf kurze, nette und/oder emotionalisierende Inhalte vorgibt, wodurch eine Vielzahl von Themen herausgefiltert wird. Zwar spricht nichts dagegen, sich mit Postings oder Tweets zum neusten Politiker-Skandal oder dem süßesten Tierbaby zu befassen. Allerdings sollte man sich bewusst macht, dass es sich hierbei lediglich um einen leicht verdaulichen Ausschnitt daraus handelt, was in der Welt vor sich geht. Reflektierte Meinungsbildung bedarf stets auch der Auseinandersetzung mit unbequemen Wahrheiten.